16. Juni 2021, 19 Uhr, Zentrum im Werd, 1020 Wien, Im Werd 6
1945 mussten sich die Träger des NS-Regimes neu positionieren, wobei sie die Wahl hatten zwischen Beibehaltung ihrer ideologischen Überzeugungen einerseits und politischer Umorientierung andererseits. Welche Wahl haben nun die ehemaligen Nationalsozialist*innen getroffen?
Bitte unbedingt um Anmeldung per Mail bis zum 15.6.2021/19h: ruth.schwarz@chello.at
FreiRaumWels, ZiGe und Co.: Die letzten Monate brachten ein bemerkenswertes Aufblühen der Welser Zivilgesellschaft
Zivilgesellschaftlicher Widerstand hat in Österreich eine überaus erfolgreiche Tradition. Ohne die Frauen-, Umwelt- und Friedensbewegungen, ohne Proteste gegen Atomkraft und Rechtsextremismus, ohne Initiativen im Kulturbereich, ohne die Kämpfe für Homosexuellenrechte, ohne Jugend- und Stadtteilprojekte: Wir würden in einem völlig anderen, wesentlich weniger lebenswerten Land leben. Zivilgesellschaftlicher Widerstand hat oft die Parteipolitik dazu angeregt, manchmal auch sanft gezwungen, das Richtige zu tun, oder wenigstens das Falsche nicht zu tun. Er war meist seiner Zeit voraus, und wer seiner Zeit voraus ist, hat es oft schwerer wie einer, der sein Heil in einer vermeintlich guten alten Zeit zu finden glaubt.
Auch in Wels ist am Sich-reiben
an konservativen Strukturen manch Funke entstanden, der zwar keine
Flächenbrände, aber bemerkenswert langlebige Glutnester entstehen ließ: Der KV
Waschaecht (vormals KI) existiert seit 1981, die Welser Initiative gegen
Faschismus seit 1984, der Alte Schl8hof seit 1985, der Infoladen wurde 1998
gegründet. Und trotz der unbestrittenen Bedeutung dieser und anderer
progressiver Institutionen fehlte in den letzten Jahren irgendwas. Seit ein
paar Monaten wissen wir was.
Im Herbst 2020 begann sich der FreiRaumWels gegen seine Schließung zu wehren. Nachdem in der Phase Rabl eine Reihe guter Projekte wie der Trödlerladen, das AktivTeam Noitzmühle oder das Jugendzentrum D22 leise abgetreten waren bzw. wurden, artikulierte sich hier endlich Widerstand. Offen, ehrlich, mutig trat man für das Überleben des Raumes ein. Die Aktivist*innen organisierten Crowdfunding, Pressearbeit, Politkontakte und Social-Media-Kampagne so bemerkenswert professionell, dass man es in Hinkunft als „Best-Practice“-Beispiel in einem Handbuch für Zivilgesellschaftlichen Widerstand hernehmen kann, ja muss.
Als nächstes Kapitel sollte dort das ZiGe (Zivilgesellschaftliche) Kollektiv Platz finden. #wirhabenplatz begann es im Februar festzustellen, suchte und fand Partner*innen aus Kirche, Kultur, Pfandfinder*innen, Schl8hof und Welser Initiative gegen Faschismus. Auch wenn nach sieben Zeltlagern für eine humane Flüchtlingspolitik vorerst Pause ist, die durchwegs eiskalten Nächte haben viel Wärme in Wels erzeugt.
FreiRaumWels, ZiGe und alle ihre Freund*innen haben wieder Bewegung in die Stadt gebracht. Und die Handelnden waren bei weitem nicht nur die „üblichen Verdächtigen“, also die Welser Subversions-Adabeis, zu denen sich der Autor auch fast schon zählen muss, sondern auch ganz, ganz viel neu oder nach oft langen Jahren des Stillstands wieder Bewegte. Dafür einfach mal Danke. Danke, danke, danke.
Im Jänner 1996 begannen die Rodungen für den Bau eines Wasserkraftwerkes an der Traun zwischen Lambach und Stadl-Paura. Eine bemerkenswerte Protestbewegung wurde aktiv. AnrainerInnen und UmweltschützerInnen mit Unterstützung aus ganz Österreich besetzten den Wald und lieferten Polizei, Bauarbeitern und Kraftwerksbefürwortern ein dreimonatiges Katz-und-Maus-Spiel: die längste Besetzung dieser Art in der österreichischen Geschichte. Im Mikrokosmos der beiden Kleinstädte spitzte sich die Lage zu. Die Auseinandersetzung wurde nicht nur um Bäume geführt, es war ein Kampf um die Meinung im Lande.Das Buch erzählt ein bemerkenswertes Stück Zeitgeschichte anhand ökologischer, politischer und ökonomischer Aspekte. Es kommen AktivistInnen, ZeitzeugInnen und PolitikerInnen zu Wort, KraftwerksgegnerInnen ebenso wie -befürworterInnen. Wetzlmaier und Rammerstorfer zeichnen damit ein vielstimmiges Bild einer Affäre, die Oberösterreich spaltete wie kaum ein anderes Ereignis der Nachkriegszeit. Am 18. März um 18 Uhr laden die Grünen Bad Ischl die beiden AutorInnen, Marina Wetzlmaier und Thomas Rammerstorfer zur Präsentation und Diskussion ihres aktuell erschienenen Buches.
Im Jänner 1996 begannen die Rodungen für den Bau eines Wasserkraftwerkes an der Traun zwischen Lambach und Stadl-Paura. Eine bemerkenswerte Protestbewegung wurde aktiv. AnrainerInnen und UmweltschützerInnen mit Unterstützung aus ganz Österreich besetzten den Wald und lieferten Polizei, Bauarbeitern und Kraftwerksbefürwortern ein dreimonatiges Katz-und-Maus-Spiel: die längste Besetzung dieser Art in der österreichischen Geschichte. Im Mikrokosmos der beiden Kleinstädte spitzte sich die Lage zu. Die Auseinandersetzung wurde nicht nur um Bäume geführt, es war ein Kampf um die Meinung im Lande. Das Buch erzählt ein bemerkenswertes Stück Zeitgeschichte anhand ökologischer, politischer und ökonomischer Aspekte. Es kommen AktivistInnen, ZeitzeugInnen und PolitikerInnen zu Wort, KraftwerksgegnerInnen ebenso wie -befürworterInnen. Wetzlmaier und Rammerstorfer zeichnen damit ein vielstimmiges Bild einer Affäre, die Oberösterreich spaltete wie kaum ein anderes Ereignis der Nachkriegszeit.
Sarah
Momani und Thomas Rammerstorfer diskutieren über Lebenswelten
muslimischer Jugendliche, Zuschreibungen und Ausgrenzung, sowie zur
Frage was die Gesellschaft für mehr Teilhabe tun kann.
Muslimische Jugendliche in Oberösterreich stehen zwischen
unterschiedlichen Erwartungen: hier jene der Familie, der Community oder
Freunde. Auf der anderen Seite die Erwartungen, aber vor allem
Zuschreibungen der Mehrheitsgesellschaft. Von „Problem-Jugendlichen“ ist
immer wieder die Rede, von jungen Machos, die in der Schule anderen
vorschreiben, was der Islam erlaube und was nicht. Mädchen, die Kopftuch
tragen, müssen als Symbole einer sogenannten „Parallelgesellschaft“
herhalten. Die Angst vor einer konservativen, ja radikalisierten Jugend
wird in den Medien immer wieder hervorgerufen. Vom „normalen“ Alltag
muslimischer Jugendliche, von ihren Bedürfnissen und Einstellungen, wird
hingegen kaum berichtet.
In diesem Spannungsfeld steht das Bedürfnis der Jugendlichen nach
Zugehörigkeit. Wo finden sie Zugehörigkeit und wo nicht? Wie entscheidet
sich, ob sie sich in Österreich angenommen fühlen oder nicht, selbst
wenn sie hier geboren und aufgewachsen sind?
Jugendlichen fehle oft das religiöse Wissen, so Momani. Zur Aufgabe
der MJÖ gehört es, darüber aufzuklären und die Jugendlichen in ihrer
österreichisch-islamischen Identität zu bestärken.
„Jugendliche brauchen Wertschätzung. Wir müssen weg von den Generalverdächten“, fordert Momani.
Einige Jugendliche würfeln sich eine eigene Identität aus religiösen,
nationalistischen und popkulturellen Elementen zusammen, beschreibt
Rammerstorfer. Ausgrenzung und Rassismus – auch struktureller Natur –
führen zu hausgemachten Problemen.
„Viele dieser Jugendlichen haben massive Rassismus- und
Ausgrenzungserfahrungen, die in fast keiner Biografie von Menschen, die
sich radikalisiert haben, fehlen“, betont Rammerstorfer.
Probleme müssen angesprochen werden, auch inner-muslimisch. Darüber
sind sich Momani und Rammerstorfer einig. Dennoch sei die gesamte
Gesellschaft gefragt, selbstkritisch zu sein, Diversität und Teilhabe
zuzulassen.
Bericht in den Oberösterreichischen Nachrichten: https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/wels/der-kampf-um-die-traunau-ist-wie-ein-lehrstueck-einer-radikalisierung;art67,3335837