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Zum Nachhören: „Orbáns Ungarn“ – ein Abend mit Paul Lendvai

Am Mittwoch, den 1. März stellt Paul Lendvai im Bildungshaus Schloss Puchberg in Wels sein Buch „Orbáns Ungarn“ vor. Veranstalterin ist die Welser Initiative gegen Faschismus. Auszüge aus der Veranstaltung sind in der Sendung zu hören.

Zum Autor: Paul Lendvai ist Publizist und Autor von etlichen Büchern über Österreich und Osteuropa. In Budapest geboren, lebt er seit 1957 in Österreich. Er schrieb im Rahmen seiner journalistischen Tätigkeit unter anderem für die Londoner Financial Times und ist Mitherausgeber und Chefredakteur der Europäischen Rundschau.

Das Buch Orbáns Ungarn wird auf der Website von Paul Lendvai folgendermaßen beschrieben: „Viktor Orbán regiert hinter einem scheinbar demokratischen Vorhang mit eiserner Faust. Eine zwar schwache, aber funktionierende Demokratie baut er in einen autoritären Staat um. Seine nahezu uneingeschränkte Machtposition verdankt er vor allem seiner persönlichen Ausstrahlung, seiner Unbarmherzigkeit und seinem Machtinstinkt. In den 1990er-Jahren als demokratische Hoffnung gefeiert, gilt Orbáns Bewunderung heute Männern wie Putin und Erdoğan. Von den westlichen, liberalen Werten hat er sich abgewendet. Sein rechtskonservativer, populistischer Kurs lässt fremdenfeindlichen und antisemitischen Tendenzen breiten Raum, seine finanz- und wirtschaftspolitischen Ambitionen führen zu einer Spaltung der Gesellschaft: Einer kleinen Schicht profitierender Neureicher steht ein wachsendes Heer an Armen, Arbeitslosen und Mindestrentnern gegenüber. Die politische Opposition ist schwach und gespalten, die junge urbane Generation wendet sich von der Politik ab oder wandert aus. Ungarn ist zu einem Fremdkörper im demokratischen Europa geworden.“

Sendungsgestaltung: Angelika Miesenberger

Zu hören auf Radio FRO!

Moderator Thomas Rammerstorfer stellt Fragen an Paul Lendvai, anschließend hat auch das Publikum noch die Möglichkeit.

Fotos: Laurien Scheinecker

23. 6. 2016: Vorstellung des Rechtsextremismusberichtes in Linz

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Vor kurzem wurde in Wien der Rechtsextremismusbericht des Grünen Nationalratsklubs der Öffentlichkeit präsentiert. Neben Beiträgen u.a. von Albert Steinhauser, Harald Walser, Karl Öllinger und Andreas Peham (DÖW) wird in diesem Bericht auch auf die Situation in den Bundesländern ausführlich eingegangen.

Die GBW OÖ möchte diesen Bericht auch in Oberösterreich präsentieren. Mit anschließender Diskussion mit Expert*innen aus Politik und Wissenschaft wollen wir uns auf die Spur der rasant ansteigenden rechtsextremen Tathandlungen und dem Phänomen der “neuen” Rechten aber auch der klassischen Rechten nähern.

Vorgestellt wird der Rechtsextremismusbericht durch Mitautor Karl Öllinger, er ist Nationalratsabgeordneter der Grünen und Initiator der Plattform „Stoppt die Rechten“.

Nach einem Input zur aktuellen Situation auf Landesebene von Maria Buchmayr (Landessprecherin der Grünen Oberösterreich) diskutieren

Karl Öllinger (NR-Abgeordneter und „Stoppt die Rechten“)
Natascha Strobl (Politikwissenschaftlerin und Antifa-Aktivistin)
Thomas Rammerstorfer (Rechtsextremismusforscher)
Sophia Hochedlinger („stv. Landessprecherin und Jugendsprecherin der Grünen OÖ)

unter der Leitung von

Mag.a Dr.in Karin Fischer (wissenschaftliche Mitarbeiterin und Abteilungsleiterin der Abteilung Politik und Entwicklungsforschung an der JKU)

über die Entwicklung der Rechten in (Ober-)österreich, über die (neuen) Gefahren, die davon ausgehen und was wir dagegen unternehmen können.

Einlass ist um 17:30 im Raum 07.05 im 7. Stock des Wissensturm Linz

10. 12. ´14: „Grenzenlos rechtsextrem“ in Salzburg

19:00 Vortrag „GRENZENLOS RECHTSEXTREM. Die braune Szene in Bayern und Österreich. Parallelen, Unterschiede und Vernetzungen.“

Vortragende: Thomas Rammerstorfer, Journalist und Rechtsextremismusexperte // Mario Born, Historiker und Politikwissenschaftler

Ort: Unipark Nonntal, HS E.003

VeranstalterInnen:
Grüne und Alternative StudentInnen Salzburg & Junge Grüne

26. 11. 2014: „RECHTS – NATIONAL – RASSISTISCH – JUNG“ in Linz

15:00 – 21:00
Wissensturm, Linz

Veranstaltungssaal E09; Eintritt frei

RECHTS – NATIONAL – RASSISTISCH – JUNG
Rechtes Gedankengut als Jugenddroge
Referate – Diskussion – Workshops

Rechtes, ja sogar rechtsextremes Gedankengut ist längst keine Randerscheinung mehr. Es scheint, dass sieben Jahrzehnte nach Ende des Zweiten Weltkriegs Rechtspopulismus, Nationalismus und rassistisches Denken die Mitte unserer Gesellschaft erreicht haben. Vor allem im Bereich der Jugendkultur fallen diese Tendenzen auf besonders fruchtbaren Boden. Das muss beunruhigen und ruft zum aktiven Handeln auf, nicht nur hierzulande, sondern in vielen Teilen Europas.

15:00 Rechter Müll in sozialen Netzwerken
Johannes Baldauf

16:00 Grenzenlos rechtsextrem
Mag. Mario Born, Thomas Rammerstorfer

17:00 Fundamentalismus – Rechtsextremismus
Dr. Roman Schweidlenka

Vortrag und Podiumsdiskusion
19:00 „Rechts – national – rassistisch – jung“
Podiumsdiskussion mit Susanne Scholl, Johannes Baldauf, Mario Born,
Thomas Rammerstorfer und Roman Schweidlenka
Moderation: Mag.a Wiltrud Katherina Hackl

Rechtsextreme gegen Rechtsextreme in Ried

In Ried im Innkreis vergiften türkische und österreichische Faschisten die Stimmung. Gemeinsam treibt man die Spaltung der Bevölkerung voran.

Meine Stadt Ried

nennt sich ein Rap-Track von „Chiko featuring Ibo“. Einerseits erschöpft es sich im genretypischer Rumgepose mit Waffen, Homies und Autos (Frauen waren wohl nicht aufzutreiben) zu beinahe Mitleid erregend schlecht vorgetragenen Reimen. Zum anderen zeigt es eine klar türkisch-rechtsextreme Symbolik: Pullover der „Ülkücü genclik“ („Idealistischen Jugend“) werden gezeigt, die Fahne der faschistischen MHP geschwenkt und als Grauer Wolfs-Darsteller muss ein Huskey herhalten. Hier wird jugendliches Imponiergehabe mit der Symbolwelt einer faschistischen Ideologie kombiniert.

Und die „Grauen Wölfe“ sind ein durchaus reale Faktor in Ried: Schon seit einigen Jahren sind sie hier aktiv. Konzerte mit rechten Barden, etwa in der örtlichen Bauernmarktmarkthalle, ziehen hunderte BesucherInnen an, seit Ende 2013 verfügt der „Hilal Ried Sport- und Kulturverein Halbmond“ über ein eigenes Lokal, wo man unter andren schon Politprominenz aus der Türkei (MHP) oder den Präsidenten der „Avusturya Turk Federasyvon“, des Dachverbandes der türkischen Rechtsextremen, begrüßen konnte. Der Verein scheint straff organisiert. Neben den üblichen Funktionären gibt es „Religionsbeauftragte“ und für die nicht selten in besagten schwarzen Pullis uniformiert auftretende Jugend „Disziplinbeauftragte“.
chiko
Nun könnte man meinen, ein paar rechte Spinner mehr oder weniger würden in Ried, wo die FPÖ sich jährlich jeden Aschermittwoch in alkoholgeschwängerten braunen Tiefpunkten suhlt, nicht sonderlich auffallen, aber halt! Es sind ja keine Germano- oder Austronazis die hier auftreten, sondern die Jungs von der Konkurrenz, und das darf natürlich nicht unbeantwortet bleiben.

Unsere Stadt Ried

nennt sich die Antwort in Form einer facebook-Seite. Motto: „Ried den Riedern“. Innerhalb eines (!) Tages drückten über 2700 Menschen hier auf „gefällt mir“. Derb völkisch und rassistisch geht’s hier mitunter zur Sache; am Titelbild wird der Text eines „Frei.Wild“-Songs („Wahre Werte“) zitiert. Der Grundtenor der Pöbel-Seite lässt sich mit „Türken raus“ zusammenfassen.
Der Initiator ist mit allergrößter Wahrscheinlichkeit ein alter Bekannter aus der Neonaziszene: Robert Faller, einst Führer der „Nationale Volkspartei“, heute Geschäftsführer eines lokalen Saufschuppens mit Namen „Whiskeymühle“. Dort hat er noch ein Hinterzimmer namens „Bierinsel“, Sitz seines neuen Vereins „Gegen Gewalt“. Oder „Gegengewalt“, so genau weiß man das nicht, und im Vereinsregister ist nichts zu finden. Der Verein kämpft also gegen „Migratengewalt“ (!) und „Kinderschänder“. Auf facebook wird widerwärtigst gehetzt. So berichtet man über eine „dramatische Zunahme an Massenvergewaltigungen europäischer Mädchen“ durch Muslime.
Besonders tief – selbst für Faller´sche Verhältnisse – eine Todesanzeige für eine 12-jährige, die in Bayern ermordet wurde. Dass es sich beim mutmaßlichen Täter um einen Gesinnungsgenossen Fallers aus der rechtsextremen Szene handelt wird selbstredend verschwiegen. Vielmehr vermutete man einen türkischen Mörder, was zu Kommentaren wie „Wen das mein Kind ist, schlachte Ich diese Kanackensau selber ab!“ (user „Hanspeter Koch“; Rechtschreibung im Original) führte.