Kategorie-Archiv: Jugendkulturen & Musik

Kulturszene: Vermeidet politische Äußerungen nicht!

„Vermeiden sie politische Äußerungen?“ fragten die OÖN Marco Michael „Wanda“ Fitzthum, Frontmann der im deutschsprachigen Raum höchst erfolgreichen Rockband Wanda:

„Nein, alleine dass wir unseren Körper auf einer Bühne befreien und von anderen verlangen, dasselbe zu tun – das vermittelt Befreiungsgeist. Mir ist die politische Atmosphäre zu aufgeheizt, um meine Meinung auch noch zu sagen. Ich will mit dieser Spaltung nicht weitermachen. Am schlimmsten finde ich die Angst vor dem Fremden, die nicht auszutreiben ist. Aber ich kann nichts dagegen tun.“

Das selbstausgestellte Armutszeugnis bestätigte „Wanda“ schon 2 Tage im Voraus, da jubelte der „Wochenblick“, man habe den Unpolitischen „exklusiv getroffen“ (ob dies tatsächlich der Fall war darf bezweifelt werden). Besonders gefällt der rechtsextremen Schmuddelpostille das Weglassen „belehrender Ansagen“ bei Wanda, das sei eine „Unbeschwertheit, die ankommt“.

Gut. Unpolitisch zu sein ist ein Luxus, den man sich momentan noch leisten kann: Weil frühere Generationen sehr politisch waren. Weil Jim Morrison „Father, I want to kill you, Mother, I want to fuck you“ schrie, darf Fitzthum „Ich möchte gerne mit meiner Cousine schlafen“ trällern. Aber das ist schon wieder genug zu Wanda. Man muss die Band nicht bashen, dazu ist sie eigentlich zu uninteressant. Interessant ist der Zeitgeist, der da spukt. Das immer selbstbewusstere Auftreten auch noch der allerdümmsten Alltagsfaschisten, und das immer zögerlichere Auftreten der Menschen mit humanistischer Einstellung (und dazu würde wahrscheinlich sogar der Wanda-Typ zählen, wenn er eine Einstellung hätte).

Eine Kulturszene, die sich nicht für die Gesellschaft interessiert, darf sich nicht wundern, wenn die Gesellschaft sich nicht für sie interessiert.

Anfang des Jahres leitartikelte Thomas Weber im Szenemagazin „the gap“ darüber, „wie die Kultur aus dem Bewusstsein gespült wurde“. Da heißt es:

„Niemand fragt danach, kaum jemandem scheint es überhaupt aufgefallen zu sein. Aber irgendwo auf dem Weg ist uns die Kultur abhanden gekommen.“

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„Die Kultur ist ziemlich weltfremd geworden: Sie verliert an Öffentlichkeit und Relevanz, wird weder geteilt, noch geklickt und wird – zumindest als geförderter Kulturbetrieb – irgendwann in Erklärungsnot geraten.“

Da scheint er recht zu haben. Burgtheater, „Staatskünstler“ „freie Szene“, in den 1990ern noch Lieblingsfeind der FPÖ und sonstiger rechter Recken, tauchen in den einschlägigen Diskursen nicht mehr auf. Und wenn einen die FPÖ nicht hasst, dann macht man irgendwas gewaltig falsch. „Der Künstler hat dort „Au“ zu schreien, wo es den anderen weh tut“ hat Georg Danzer (den wir heute so dringend brauchen würden!) mal geschrieben. Tut er (oder sie) es nicht, wird er sich irgendwann mal wundern, was alles nicht mehr gehen wird.

Have Fun. Ein Gespräch mit Börni Kreindl

Seit den späten 1980ern ist Bernhard „Börni“ Kreindl einer der umtriebigsten Musiker aus der Welser Gegend, in Hard Core-, Metal-, Rock-, Jazz-, Electro- und Improvisationsprojekten… es war an der Zeit mal mit ihm über sein bisheriges Wirken zu quatschen.

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Das erste was mir natürlich einfällt zu dir ist das Ostbahn-Kurti-Konzert am 4. November 1989 im Alten Schlachthof. Cheetah mit dir an der Gitarre haben als Vorband gespielt… magst du was zu dazu erzählen…

Ja, ich war 18 – jetzt bin ich 46, also kannst du dir ausrechnen wann es war – da hat mich der Stefan Hattinger gefragt ob ich bei ihm Rhythmus-Gitarre spielen will. Der war ein Checker, der Hattinger, macht auch heute noch im Musik-Business. Wir hatten eine Sängerin – Ulli Mhesz, einen Schlagzeuger, einen Bassisten… einen Solo-Gitarristen haben wir ewig gesucht, da haben wir dann den Edi Grinninger aus der Eferdinger Gegend gefunden, der hat schon super gefidelt damals. Am Schlagzeug Tom Machold. Ich hab die meisten Nummern geschrieben und dann sind wir schon zu fünft losgefahren, von Wels bis Wien. Das war 1988. Kurz zuvor bin ich wieder nach Wels gekommen, vorher war ich 4 Jahre in Niederösterreich, ich habe Uhrmacher gelernt. Zurück in Wels hab ich den Hattinger im damaligen Pikanta, dem späteren Ovilaba kennengelernt und so sind wir zur gemeinsamen Band gekommen. Waren zwei schöne Jahre, wo wir fast jeden Tag zusammen waren und Riffs geschrieben haben. Ich hab das Grobe gemacht und er hats dann verfeinert.

Kannst du dich noch an das Konzert ´89 im Schlachthof erinnern?

Sicher, ich bin ja noch nicht ganz weich.

Naja, aber du hast viele Konzerte gegeben… war Cheetah deine erste Band?

Stimmt, an alle Konzerte kann ich mich nicht mehr erinnern (lacht), da magst du recht haben. Nein, wir hatten schon in der Schule eine Band mit vielen Auftritten. Eine Coverband, alles von Beatles bis Stones.

Mit der Ulli Mehsz hast du später auch noch zusammengearbeitet.

Ja, die ist auch eine Welserin, die wohnt heute noch in Wels. Im Jahr 2000 hat sie mich gefragt ob ich mit ihr noch mal eine Band mache. Da haben wir die Ulli Mhesz Band gegründet, und auch eine CD und eine Video gemacht, das heißt „Ich will sein“, gibt’s alles auf youtube. Haben wir auf der Schaunburg gedreht. Es folgten Konzerte, war eine schöne Zeit mit super Musikern, zu sechst, zwei Keyboarder, Bass, Gitarre und die Ulli. Der Peter Guschlbauer aus Linz war Produzent, der hat auch das Video gemacht, das hat uns 10 000 Schilling gekostet, das war nicht viel.

Gibt’s von Cheetah selbst auch noch Aufnahmen?

Es gab ein Demo-Band mit sechs Nummern. Das haben wir beim Edi Grinninger im Wohnzimmer aufgenommen, da haben wir grad reingepasst, und nebenan im Schlafzimmer standen die Mischpulte, da hat er uns aufgenommen. Eigenproduktion. Ich hab das leider nicht mehr. Ich hab mein letztes einen depressiven Menschen geborgt und der hat sich leider vor den Zug gehaut. Es gibt eine Nummer auf einem Sampler, „Live in Wels“. Gespielt haben wir quer durch Österreich, bei Stadtfesten, in Wien, einige Male im Schlachthof in Wels.

Mein erster Tonträger von dir war von den Sexual Spastics, ein Tape, ich glaube live im Kraftwerk…

Ja, die Spastics. Mit Cheetah wars halt nach zwei Jahren aus, die Ulli hat sich umorientiert. Schade, war eine super Sache. Die Sexual Spastics sind gleichzeitig schon gelaufen, ich hab ja zeitweise in fünf Bands gespielt. Da bist du halt jeden Tag entweder im Proberaum gewesen oder hast ein Konzert gespielt, das war lässig. Ich hab ja gern immer Leute um mich, das taugt mir. Ich bin halt ein Gesellschaftstier, und da war halt jeden Tag Action.

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Foto: Die 1980er

Wer war bei den Sexual Spastics noch dabei?

Vratny Peter, Lipps Harry, Haslinger Stefan. Hard Core war damals in Oberösterreich eine Riesensache, wir waren da zum richtigen Zeitpunkt dran. Da waren ein paar Riffs dabei Richtung Fugazi, ein bisschen Crossover, Metal, das ist schon gefahren. Im Flex in Wien haben wir mal an einem Mittwoch gespielt, ganz alleine, waren auch 200 Leute da. Das war noch im alten Flex, das war saugeil, so abgefuckte Buden mag ich, das ist mir viel lieber als was nobles. Vom Konzert im Kraftwerk in Steyr gibt’s auch ein Video, Dharma Bums Insane aus Steyr und wir im Kraftwerk. Das alte Kraftwerk war auch ein Wahnsinn, genial, ein altes Gewölbe, wenn da 200 Leute drin waren ist die Hölle abgegangen. Da sind die Leute noch richtig ausgezuckt bei den Konzerten…

Heute filmen sie alle mit dem Handy mit, da habens keine Zeit mehr zu tanzen.

Ja, wir haben noch unsren Schädel gebeutelt und die habens Handy in der Hand.

Musikalische Einflüsse damals für dich?

Ich hab sehr früh angefangen, meine Mama war bei Hans-Sachs-Chor, hat Piano gespielt und wir hatten einen Flügel im Wohnzimmer, da hab ich schon mit 3 drauf rumgeklimpert. Mit 9 hab ich mit Gitarre angefangen, damals bin ich auf Beatles und so Zeug abgefahren. Aber auch ganz andres, mein Vater hatte eine Almhütte in der Steiermark, und da haben wir Volksmusik gespielt für die Urlauber. Mit 16 bin ich dann zum Punk gekommen, Slime, Tote Hosen und so. Übern Hattinger Stefan bin ich dann zum Metal gekommen, der hat mir halt so Sachen wie Metallica und Slayer vorgespielt, da hab ich dann einige Jahre nur mehr Metal und Hard Core gespielt. Dann bin ich auf was andres gekommen und habe eine 2-jährige Jazz-Ausbildung gemacht, beim Petersdorfer Harald in Thalheim drüben. Immer zu Fuß rüber von der Vogelweide mit Kassettendeck und Gitarre, über eine Stunde hin und eine zurück, aber das war es mir wert. In dieser Jazz-Phase sind dann so 1994 die Funny Genius entstanden. Der Eiselsberg Wolf am Schlagzeug, der Sigi Loidl an Keyboards und Gitarre, die Ruth Eiselsberg am Gesang, Wolfgang Seiler am Bass, der Wittig Martin am Schlagzeug. Schräge Musik, gibt eine eigene Soundcloudseite, da kann man sich alles anhören. CD haben wir auch gemacht, eine Mini, 22 Minuten.

Wie hast du damals die Kulturszene so gesehen, wie wars mit Auftrittsmöglichkeiten?

In den 80ern ist sehr viel entstanden, Schlachthof, Kraftwerk, KAPU, Stadtwerkstatt. Ich war da live dabei, ich war auch in Vereinen drin, hab mitveranstaltet, später hatte ich ja einen eigenen Verein, Soundtheater, ein Kulturverein. Man hat damals alle Leute gekannt, wir haben ja überall gespielt. Da hat vieles wachsen und auch wieder sterben gesehen.

Wars damals schwieriger für lokale Bands Auftritte zu bekommen?

Nun, da ist viel enstanden, vor allem in Oberösterreich und natürlich Wien. In Oberösterreich gabs ja auch viel in den kleinen Orten, Bands, Verein, Locations. Es war irgendwie kreativer damals, unprofessioneller, aber das Publikum hat das mehr honoriert. Jetzt ist nicht mehr so viel Bewegung drinnen.

Ich denke, dass „Konzert besuchen“ hat sich stark verändert. Diese Festivals mit 100 Bands, 5 Tage lang und 100 000 Leute Publikum hat es ja damals nicht gegeben. Und auf der Setlist stehen dann v. a. Bands die es seit 20 oder 30 Jahren gibt

Ja, damals hat man sich noch mehr kleine, neue Sachen angeschaut, wurscht ob lokale Bands, oder von mir aus auch aus Norwegen oder USA. Das Publikum war damals neugieriger, interessierter. Man wollte sich was anschauen, was man noch nicht kennt, was neues entdecken, auch am Merchandise-Stand stöbern, ob es irgendwelche neuen CDs oder Kassetten gibt. Das interessiert aber heute keinen mehr, da bestellt sich jeder was er will im Internet. Aber ich verstehs eh, auch Youtube und so, bevor ich 2 Stunden eine CD suche, tipp ich ein was ich hören will und fertig.

Die „Freie Szene“ oder DIY-Szene – war das für dich was Ideologisches auch, oder war das eben nur aus der Not heraus, weils keine Musikindustrie gegeben hat in Österreich?

Wir haben bei den Spastics schon sehr politische Themen angeschnitten, also da gings nicht um Liebe und Herzschmerz, sondern um beinharte Themen, die was halt uns damals mit 20 interessiert haben. Umweltzerstörung war damals noch ein großes Thema, Tschernobyl und so.

Beim Schlachthof in Wels hast du die Anfangsphase auch erlebt.

Ja, Cheetah war die erste Band, die dort geprobt hat. Der Hattinger hat das hauptsächlich organisiert. Und wir hatten als erster einen Proberaum, oben im Turm. Jetzt gibt’s 7, 8, 9, keine Ahnung, war schon lang nimmer unten. Aber ich würde sehr gerne wieder mal hin, spannend wie das jetzt wohl ausschaut. War lässig früher, du hast geprobt, dann waren plötzlich 5 Leute da, oder 10 oder 20 und haben mit dem Schädel gewackelt.

The Funny Genius hast du schon erwähnt, wie lange hat es die gegeben?

Zwei Jahre ungefähr. Wir haben einige arge Konzerte gespielt. Das war eine steile Zeit. Ist halt wieder auseinander gegangen – lauter starke Individuen, jeder will seinen Kopf durchsetzen. Das war sehr schade, mit denen hätte ich gern länger gespielt. Aber es gab schon neue Projekte, z. B. mit dem Sigi Loidl Die harmlosen Brüder. Da haben wir drei Sets gehabt, eine Stunde Coverversionen, eine Stunde Jazz und eine Stunde eigene Geschichten. Gibt auch ein Demo davon. Hat der Sigi Loidl aufgenommen, der Siegall. Und Megatief, eine Coverband, wir haben von Slayer, Metallica bis Faith No More gespielt. Der Bauer Werner am Bass, verschiedene Zeugler, weiß nimmer wie die alle geheißen haben. Ich hab gesungen und Gitarre gespielt und ab und zu haben wir den Ecker Alex noch dabei gehabt als Gitarristen. Wir sind viel aufgetreten, Fred Sega, Schlachthof, ist ganz gut angekommen, obwohl wir nur Covers gespielt haben. Wir haben uns aber nicht die einfachsten Nummern ausgesucht, schon eher ausgefallenes. Wir wollten halt draufdrücken und ein wenig Kohle machen mit der Musik.

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Dann kam Soundtheatre

Ja, Ende der 90er kam dann Soundtheatre, die Jam-Band, da haben schon über 50 Leute mitgespielt. 10 CDs gibt’s. Ich hab zuvor schon in Jam-Bands wie Psycho Express oder Green Grass Company gespielt. Das live jammen hat mir einfach riesigen Spaß gemacht. Ich wollte immer so klingen, dass die Leute nicht checken, dass es improvisiert ist, so sollte es sich anhören. Wir haben bewusst nie geprobt, wir haben uns einfach hingestellt und gespielt, das war ein faszinierender Zugang für mich. Das haben wir immer aufgenommen und CDs gemacht, ein Konzert-Video gibt’s auch, von Soundtheatre im The Soundtheatre, 2 ½ Stunden. Helmut Budaker war da dabei von Grand Zeppelin, der Ingo von Superfeucht, der Ötschi als Saxophonist und der Lukas Plescher von den Krautschädeln hat Schlagzeug gespielt. Der Loidl Sigi hat zwei Nummern gesungen und das Konzert gemischt. Ist ein super Video geworden.
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Die Musicalwerkstatt Wels war noch wichtig für mich, da war ich `95 – 2000 dabei. Das war ein Jugendprojekt, das Frau Professer Kossmeier geleitet hat, die hat sich da Musiker zusammengesucht. Das ist immer in verschiedenen Besetzungen abgelaufen. Da hat jeder von den Jungen kommen können, der mitmachen wollte. Es gab verschiedene Aufführungen, z. B. „Flashback into the 60ies“ oder „Die letzte Welt“ von den Schmetterlingen, jedesmal mit kleiner Tour und Tonträger. Da waren Chöre dabei, mit 20 oder 30 Leuten und bis zu 15 Solosänger. Trotz der vielen Leute: Da war so eine Harmonie immer, das war bis jetzt eine der steilsten Zeiten in meinem Leben, und die Arbeit mit jungen Leuten hat mir immer Spaß gemacht. Der Bürgermeister wollte mich damals sogar als Jugendarbeiter einstellen. Aber ich war damals zu viel Musiker, um noch was andres zu machen.

Soundtheatre gibt’s noch?

Ja, eigentlich schon, wir haben schon länger jetzt nichts mehr gemacht, aber ich denke schon dass wir nochmal spielen wollen. Mal schauen. Ich hab jetzt vor allem viel produziert daheim im Studio, vielleicht kommt noch mal eine Live-Zeit. Es gibt halt gewisse Faktoren gesundheitlicher Naturen bei mir. Jetzt war ich lange nur im Studio, ziemlich fleißig. Jetzt stehen schon 300 Songs von mir im Internet, die ich aufgenommen habe. Mindtheatre ist ein Musik Projekt von boerni_k und der Inti. Inti schreibt die texte, ich mache und produziere die Musik dazu – ein Funprojekt mit Tiefgang.

Du hast dich die letzten Jahre verlagert aufs Produzieren?

Aufnehmen und vor-produzieren. Produzieren tuts der Chris Unger, dass muss schon eine gute Qualität haben, wenn man was verkaufen will. Ich muss ja keine große Kohle machen, aber wenn man ab und zu was einnimmt, kann man wieder neues Equipment kaufen und sich verbessern. Aber eigentlich mach ichs aus Spaß, ich brauch nichts. Leider bin ich technisch ein Spätzünder, da hab ich lange dran gearbeitet, dass in den Griff zu kriegen. Ich spiel mir jetzt quasi alles selbst ein im Studio, Gitarre, Bass, Keyboard, Schlagzeug programmieren tu ich, dann hol ich mir verschiedene Musikerinnen und Musiker, frag sie ob sie singen wollen, schreib Texte…

Wir haben eine CD mit elektronischer Musik gemacht, die heißt Behind the Moon, mit Gudrun Rubini und Markus Sis, das ist ein ehemaliger Sängerknabe. Jetzt kommt bald „Du und ich“ mit Gudrun Rubini raus, ein Rockalbum mit 24 Nummern, das wird auf Amazon, Itunes etc. vertrieben, und einen Teil möchte ich auf Vinyl pressen lassen. Dann kommt eine Funk/Crossover-CD, „Funk Hole“, die ist auch grad beim mischen.

Musik ist…

…wenn man mit seiner Leidenschaft andren Menschen Freude schafft

Danke Börni 🙂

Fanclub

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Foto: Erste Vorbesprechung fürs Interview: Thomas Rammerstorfer und Börni anno `96

8. 4. 2016: „Und in der Mitte, da sind wir“ Film und Diskussion (Alkoven)

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Film – anschließend Diskussion mit Thomas Rammerstorfer und anderen Gästen

Im Mai 2009 kam es in Ebensee, einem kleinen Ort im ländlichen Österreich, zu einer rechtsradikalen Störkaktion durch ortsansässige Jugendliche während der alljährlichen KZ-Gedenkfeier. Regisseur Sebastian Brameshuber nahm den Vorfall zum Anlass, um ein Jahr lang drei Jugendliche aus dem Ort beim älter werden zu begleiten: von der Softgun zur Gitarre, von der Lederhose zu DocMartens, von der Schulbank ins Berufsleben. Mit nüchternem Blick und klaren Bildern zeichnet UND IN DER MITTE, DA SIND WIR ein unromantisches Portrait einer Generation, die zwischen Brauchtum und McDonalds, zwischen vorgestern und übermorgen versucht, ihren Weg zu finden. Ein intimes Stück Zeitgeschichte.

http://www.indermitte-derfilm.com/
https://www.facebook.com/indermitte.derfilm/?fref=ts

Eintritt: Freiwillige Spende!

Besonderer Dank gilt unseren Kooperationspartnern:

Crossing Europe Filmfestival Linz
http://www.crossingeurope.at/
https://www.facebook.com/crossingeurope/?fref=ts

Die Grünen Alkoven
https://www.facebook.com/Die-Grünen-Alkoven-208216256043367/?fref=ts

9. 3. 2016: Rechtsextreme Jugendkulturen und Musik (St. Pölten)

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Gerade viele Jugendliche sind gefährdet, in die rechtsextreme Szene abzugleiten. Bestehende rechtsextreme Jugendkultur bietet für viele den ersten Kontakt zur Szene. Beim Themenabend werden wir das breit-gefächerte Netzwerk dahinter gemeinsam beleuchten. Einen Schwerpunkt werden wir auch auf Musik legen – Was haben beispielsweise Andreas Gabalier und Bands wie Frei.Wild gemeinsam und inwiefern könnten sie unter Umständen ein Einstieg in die rechte Szene sein? Mit diesen und anderen Fragen werden wir uns gemeinsam mit dem Experten Thomas Rammerstorfer beschäftigen.

Wann? Am Mittwoch, 9.3. um 18:30
Wo? Hotel Graf – Bahnhofplatz 7 – St. Pölten
Was: Themenabend zu rechtsextremer Jugendkultur und Musik.

Thomas Rammerstorfer, recherchiert zum Thema Rechtsextremismus in Österreich und der Türkei und veröffentlicht seine Ergebnisse regelmäßig in diversen Magazinen und Zeitschriften

Alle interessierten Menschen sind herzlich eingeladen vorbeizukommen und Freund*innen mitzubringen – Anmeldung ist nicht erforderlich! Um besser planen zu können, freuen wir uns jedoch über eine Event-Zusage hier oder ein Mail an noe@junge-gruene.at

14. 1. 2016: „Brauntöne“ in Bad Ischl

„Brauntöne – Rechtsextreme Jugendkulturen und ihre Musik“: Thomas Rammerstorfer beleuchtet in seinem mit Bildern und Tonbeispielen unterlegten Vortrag sowohl die Geschichte des Rechtsrock als auch die aktuellen Tendenzen in den Szenen (Neonazistischer Black Metal, LiedermacherInnen, brauner Techno, NS-Hardcore usw.). Auch gegenwärtige rechtsextreme Kleidungsmarken und Codes/Symbole werden thematisiert.

14. 1. 2016, 18 Uhr
Jugendzentrum Bad Ischl
Auböckplatz 6
4820 Bad Ischl

30. 5. 2015: „Schall und Rauch – Weltverschwörungstheorien“ in Wels

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Sicher ist euch das Thema „Verschwörungstheorien“ schon öfter untergekommen. Dieser Wahnwitz scheint eine stetig wachsende Anhänger*innenschaft zu gewinnen. Im Juni 2015 wird das Treffen der „Bilderberger“ in Österreich stattfinden und es ist mit entsprechender Mobilisierung der Szene zu rechnen.
In der Vortragsreihe beschäftigen wir uns anlässlich dessen insbesondere mit den popkulturellen Ausformungen der ganzen Truther/Infokrieger/Mahnwachler etc., um dem und diversen Irrationalismen, die auch in grünaffinen Kreisen immer stärker Verbreitung finden, etwas entgegenzusetzen.

Facts: Wann: 30.5., 18 Uhr Wo: Grünes Büro Wels, Rainerstraße 8 Was: Vortrag „Schall und Rauch – Das Denken der Weltverschwörungstheoretiker*innen“

Der nigelnagelneue Vortrag von Thomas Rammerstorfer findet ab jetzt in drei Bezirksgruppen der Jungen Grüne OÖ, ergänzt von einem Vortrag von Manfred Walter bei den Jungen Grünen Linz, statt. Der Auftakt der Reihe ist am 30.5. in Wels.
Mehr Informationen zum Vortrag gibt es schon vorab hier: http://www.thomasrammerstorfer.at/2015/04/07/schall-und-rauch-das-denken-der-weltverschwoerungstheoretiker/.

Neuer Vortrag: Schall und Rauch – das Denken der Weltverschwörungstheoretiker

Die Medien werden zentral gesteuert. 9/11 war ein „Inside Job“. Es gibt keinen Klimawandel. Hinter allen spektakulären Terroranschlägen der letzten Jahre stecken CIA und Mossad. Die Bilderberger, die Freimaurer, die Illuminaten, die Juden und/oder Satan regieren heimlich die Welt. Die Kondensstreifen von Flugzeugen sind in Wahrheit chemische Attacken um die Weltbevölkerung zu. Die meisten Naturkatastrophen werden künstlich erzeugt. Es gab nie eine Mondlandung. Nazis haben UFOs gebaut und Außerirdische die Pyramiden. Impfungen nutzen nur der Pharmaindustrie. Die Erde ist in Wirklichkeit hohl. Und auch hinter dem „Islamischen Staat“ steckt Israel.

Man könnte diese Aufzählung mehr oder weniger gängiger Verschwörungstheorien fortsetzen. Vermutlich sogar tagelang. Rechte und Linke, Islamhasser und AnhängerInnen des politischen Islams, ChristInnen jeder Facon, Sekten-, Esoterik- und Satans-Jünger, gutmütige Hippies und hasserfüllte Pöbler, sie sind sich oft in einem einig: Nichts ist so wie es scheint. Alles wird gesteuert. Die Geschichte ist nicht eine Geschichte der politischen, ökonomischen und sozialen Konflikte, sondern schlicht eine der Verschwörung mehr oder weniger unbekannter Mächte; je nach persönlicher Vorliebe mal gegen die „deutsche Rasse“, gegen das Christentum, gegen den Islam oder gar  gegen die Menschheit an sich. Es gibt weder Zu- noch Unfälle. Überall steckt ein geheimer Plan dahinter, und der führt ins Verderben.

Die Vorstellungen einer Weltverschwörung sind alt. Eine erste Blütezeit erlebten sie im ausklingenden 18. Jahrhundert mit seinen folgeschweren historischen Ereignissen. Die Aufklärung, die amerikanische Unabhängigkeitserklärung und die Französische Revolution erschütterten Monarchie und Klerus. Bald waren von eifrigen Reaktionären die finsteren Mächte enttarnt, die diese frevlerischen Vorgänge starteten und steuerten: neben den – bereits seit ihren sogenannten Gottesmord an Jesus – für jedes Unglück verantwortlich gemachten Judentum kamen nun aufklärerische Zirkel wie die der Freimaurer und der Illuminaten hinzu. In Umbruchs- und Krisenzeiten sind sie seither als Alltime-Superschurken schnell zur Hand.

Verschwörungstheorien haben aber durch die modernen Medien, insbesondere das Web 2.0 eine neue Dynamik erfahren. Im Sekundentakt werden dort absurde Theorien und dreiste Lügen über den Globus gejagt. Geglaubt wird, was man glauben will, was sich mit bereits vorhandenen Vorurteilen deckt, was das „Wiederlegen“ der Horrorgeschichten noch schwieriger macht. Dazu wird argumentiert, es habe in der Geschichte ja tatsächlich auch Komplotte gegeben, von simplen Versuchen politischer Einflussnahme durch Lobbyisten bis zum Mordkomplott. Das stimmt, allerdings ist der Umkehrschluss „es gab Verschwörungen, also ist alles Verschwörung“ natürlich absurd.

Eingedenk dessen, das die Unzulänglichkeiten des kapitalistischen Systems – Krisen, Kriege, Ungerechtigkeit – offensichtlich und wissenschaftlich belegbar sind, ist eine Beschäftigung mit Weltverschwörungstheorien bestenfalls Zeitverschwendung. Schlimmeren Falls leistet man jenen politischen Kräften Vorschub, die die Fehler des Systems bestimmten Personengruppen zuschanzen wollen – mit den aus dem letzten Jahrhundert bekannten verheerenden Folgen.

Thomas Rammerstorfer ist freier Publizist. Ab Mai 2015 bietet er den Vortrag „Schall und Rauch“ zum Thema an. Kontakt: t.rammerstorfer@gmx.at

Neue Frei.Wild-Platte: Alte Werte und neue Themen

Die Band Frei.Wild, deren Texte ich bei verschiedenen Gelegenheiten als rechts-konservativ, nicht aber wie andere als rechtsextrem einschätzte, bat mich um meine Meinung zum im März 2015 erscheinenden Album. Also ab nach Südtirol.
„Jetzt verstehst du unsere Lieder“ lacht Philipp Burger, Sänger, Texter und Gitarrist der Band, als er mich beim Hotel abholt und ich die schönen Aussichten auf die Berge der Region erwähne. Wir haben uns im Mai 2013 bei einem Konzert in Kufstein kennengelernt und miteinander auch schon eine Diskussionsveranstaltung im Wiener Gasometer absolviert. Die Fahrt ins Studio unterbrechen wir für ein Bier im Wirtshaus an der Mahr, dessen ehemaliger Besitzer Peter Mayr ein Mitstreiter des Andreas Hofer im Kampf gegen die Franzosen war: Ein Tiroler Held.
Burger erzählt: Er absolviert gerade die Ausbildung zum Landwirt, das mache ihm Spaß. Vom Film „We feed the World“ zeigt er sich schwer beeindruckt, immer wieder kommt er im Laufe des Nachmittags darauf zurück. Die Folgen der Globalisierung geben ihm zu denken, die miesen Lebensmittel, aber auch die Ausbeutung der Menschen in der Agrar-Industrie. Überhaupt ist er ein vielseitig interessierter und absolut politischer Mensch. Jedenfalls geht’s ab ins Studio, wo Schlagzeuger Christian Fohrer und Bassist Joachim Gargitter zu uns stoßen.
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„Opposition“ wird das neue Album heißen, wogegen man opponiert wird mir an diesen Nachmittag nicht ganz klar, weitestgehend befindet man sich textlich im Meinungs-Mainstream. Der Lauschangriff beginnt. Die erste Single, das dieser Tage erschiene „Wir brechen eure Seelen“, ist textlich ein nahezu archetypischer Frei.Wild-Song. Wir werden bekämpft, es werden Lügen über uns erzählt, wir werden aber standhalten, ist die bekannte Botschaft. Glücklicherweise geht’s nicht so weiter. Rechte Sprüche und dubiose Vergleiche der Vergangenheit, die die Band stets als Missverständnisse, die Kritik mitunter als Nazi-Botschaften wertete, gehören der Vergangenheit an.
Problematisch wird’s, wenn Frei.Wild in dasselbe Muster verfallen, das sie gerne ihren KritikerInnen vorwerfen: Nämlich undifferenziert Andersdenkenden Faschismus vorzuwerfen oder diese mit Nazis zu vergleichen. Und das passiert leider in zwei Liedern:
„Verstehe doch, du bekriegst die Falschen. Und bist zudem genau so schlimm wie die ganzen Nazi-Spasten. Denn die haben auch nur Hass im Sinn“ heißt es in „Wir brechen eure Seelen.“
Ähnlich dann auch im auf einen Frei.Wild-Kritiker bezogenen Song „Akzeptierter Faschist“. Ich äußere mich den drei Frei.Wild-Mitgliedern gegenüber dementsprechend. Burger verteidigt die Texte, meint, es gäbe Frei.Wild-Hasser, die die Band tatsächlich am liebsten an die Wand stellen würden, und das seien eben Faschisten für ihn. Naja.
Der Song „Ich bin neu, ich fange an“ (zur Gänze im Anschluss) thematisiert das Schicksal eines Flüchtlings. Gerade aus seiner eigenen Heimatverliebtheit hinaus scheint Burger Empathie für Menschen zu entwickeln, die die eigene Heimat verlassen müssen. Keine uninteressante Position.
Bleibt zu sagen: An meiner Meinung zu Frei.Wild hat sich wenig geändert. Einige Punkt sind kritikwürdig, auf Provokationen wird aber verzichtet, das haben sie wohl auch nicht mehr nötig.

Thomas Rammerstorfer

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Ich bin neu, ich fange an

Musik: 100% Philipp Burger
Text: 100% Philipp Burger


Sehe nur leere Gesichter, unsägliche Angst
Aufbruch zur Flucht, aus dem eigenen Land
Scherben hinterlassen und Scherben erwarten
Geister auf Auswegen, auf unsicheren Pfaden

Wohin mit mir, wohin und mit wem?
Werde ich zurückkommen?
Oder immer dort leben?
Das Urteil des Schicksals
Hätte es anders gewollt
Doch mein Wille zum Leben
Wählt meinen Weg

Endlich angekommen
Alles neu und fremd
Nichts hier wird einfach
Weil mich keiner hier kennt
Neues Land, neue Wege
Werde mich neu definieren
Will mein Leben hier leben
Will das alles kapieren

Ich will Teil dieser Welt sein
will nicht am Rande stehen
Werd es beweisen, ich bin dankbar
Für den Beitrag an meinem Leben
Schlage Brücken durch Sprache
Will sie lernen, will sie verstehen
Euer Land kennenlernen
Und will euch von meinem erzählen
Ich weiß, dass das alles
Für keinen hier einfach wird
Doch halte dran fest
Weil es nur ein Zusammen gibt
Ein Zusammen, das ich ohne euch so nicht leben kann
Also fange ich an, ich fange an, ich fange an
Und es fühlt sich richtig an

Was habe ich zu erwarten?
Wem soll ich vertrauen?
Wer hilft, wer misstraut mir?
An wen kann ich glauben?
Liegt mein Anker für immer?
Endet hier meine Flucht?
Tausende Fragen
Auf die ich Antworten suche

Doch will ich ein Leben
In eurer Mitte und frei
Begegnung verbindet, sie hilft mir dabei
Neues Land, neue Regeln
Heut auch Neues probieren
Ich will mit euch leben
Und das kann funktionieren

Egal woher, egal wohin
Neues soll kommen, Altes muss bleiben
Will mein Leben hier leben
Will das Land hier verstehen

Egal wo, egal woher
Egal wo, egal wohin
Egal wo
Für ein Zusammen
Nicht ein Auseinander
Für das Leben und Dinge
Die für ein solches stehen

Fotos:
1. Frei.Wild-Konzert 2013 Gasometer/Wien (Thomas Rammerstorfer)
2. Diskussion mit Frei.Wild im Dezember 2013 im Gasometer Wien (Katharina Gusenleitner)

Lob und Tadel bitte entweder hier abladen oder an t.rammerstorfer@gmx.at

13. 2. ´15: „Brauntöne“ in Vöcklabruck

im OKH – Hans Hatschek- Straße 24, 4840 Vöcklabruck
19.30 – Eintritt: Freiwillige Spenden

Rechtsextremismus ist zu einer großen Jugendbewegung geworden – auch und gerade in Österreich. „Rechts sein“ ist in und längst beschränken sich faschistoide Ideen und Sprüche nicht mehr auf Unterschicht-Milieus. Wichtigstes Propagandamittel ist Musik: „Primär ist es die Musik die den Weg in die rechtsextreme Szene ebnet“ hat sogar der Verfassungsschutz richtig erkannt – freilich ohne bis dato irgendwelche Konsequenzen daraus zu ziehen. So konnten und können braune Bands und Barden in den vergangenen Jahren in Österreich oft ohne Probleme auftreten.

Thomas Rammerstorfer lädt ein zu einer Geisterbahnfahrt in die musikalischen Abgründe der braunen Rattenfänger, deren Repertoire sich längst vom Skinhead-Rock in fast jede denkbare Musikrichtung erweitert hat – vom Nazi-Metal, Hate Core, Dark Wave bis hin zu Techno, Hip Hop und Schlager-/Schunkellieder. Nicht ohne Auswirkungen auf den Mainstream, wo rechtskonservative Ideen von Bands wie Frei.Wild verbreitet werden. Der Bild- und Tonvortrag lief bereits über 50-mal in Österreich und Deutschland.

https://www.facebook.com/events/513660538774131/